Kleines Schach-ABC

Der Anti-Blunder-Check / Teil 1

Liebe Schachfreunde,

jetzt beginnt sie wieder, die „Turniersaison“ – mit dem Vereinspokal, der BEM und danach der Vereinsmeisterschaft. Da kann es nicht schaden, sich ein paar bewährte Hilfsmittel in Erinnerung zu rufen, mit denen man allzu grobe Fehlzüge (auf Englisch: Blunder) in den eigenen Partien möglichst selten werden lassen kann.
Ich wende mich dabei an Vereinsmitglieder mit einfacher bis mittlerer Spielstärke, also etwa zwischen 950 und 1600 DWZ.
Besprochen werden sollen Prüfmethoden, die generell von Experten für gut befunden wurden, garniert – in Teil 2 - mit einigen Akzentsetzungen meiner Wenigkeit.
Bekanntlich hat sich schon die deutsche Schlagersängerin Katja Ebstein – den reiferen Jahrgängen von Euch wird sie noch in Erinnerung sein - mit dem Thema „Blunder“ beschäftigt. In ihrem Hit von 1970 heißt es etwas fatalistisch (bitte den genauen Wortlaut nicht auf die Goldwaage legen):

Blunder gibt es immer wieder
Wenn sie kurz bevorsteh´n
Wirst du sie nicht seh´n

Blunder gibt es immer wieder
Erst wenn sie passiert sind –
Wirst du sie verstehn!

Wie weise von dieser Frau! Genau das ist es. Und warum sehen wir sie nicht (vorher): Weil wir nicht richtig (hin-)gucken! (Der Verfasser nimmt sich da übrigens nicht aus).


A.

Beginnen wir ganz einfach: Denken kann und darf man viel während der Partie, aber konkret wird es, wenn der Gegner gerade gezogen hat. Dann heißt es, die Stellung mit den Augen des Gegners – und zwar zunächst nur mit den Augen des Gegners – zu sehen. Was hat er vor, was sind seine kurz- und längerfristigen Ziele:

  1. Greift er eigene Bauern oder Figuren an, gar den eigenen König?
  2. Ist der gegnerische Zug als Teil eines Plans zu sehen, mit dem das Gegenüber positionelle Vorteile erringen will, ein wichtiges Feld erobern, mit den eigenen Steinen eine Diagonale, eine Reihe oder Linie kontrollieren, ganz allgemein seine eigene Beweglichkeit erweitern und die unsere einschränken?

Vereinfacht gesagt läßt sich Punkt 1 dem Bereich Taktik zuordnen, Punkt 2 dem Bereich positionelles Denken und Strategie. Beide Punkte können im Einzelfall natürlich ineinander übergehen, beide aber müssen und sollen geprüft werden.
Erst wenn wir den Plan des Gegners (wir wollen aus Gründen der Vorsicht zu seinen Gunsten annehmen, dass er einen hat!) so gut wie möglich verstanden haben, ist es sinnvoll, über geeignete eigene Züge nachzudenken bzw. zu überlegen, ob man das eigene Angriffskonzept, das man bis dahin – hoffentlich! – hatte, weiterführen kann oder abändern und überarbeiten muß
Es gilt eigene Züge – die berühmten Kandidaten-Züge – ins Auge zu fassen, die

  • entweder die (taktischen oder strategischen) Drohungen des Gegners neutralisieren,
  • oder (noch besser, denn Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung!) selber eigene Drohungen aufstellen, die verheerender wirken als die des Gegners (Beispiel: Der Gegner greift unsere Dame an, wir attackieren den König) oder schneller zu verwirklichen sind (Beispiel: Unser Bauernsturm am Damenflügel ist schneller als der des Gegners am Königsflügel),
  • oder vielleicht sogar Angriff und Verteidigung miteinander verbinden.


B.

Hat man endlich den mutmaßlich besten Zug gefunden, dann zieht man ... noch lange nicht!!! Man setze sich am besten auf die eigenen Hände (Empfehlung von Großmeister Paul Keres) und stelle zunächst nur IM GEISTE den Stein seines Vertrauens auf die gewählte Position. Jetzt beginnt ... dieselbe Prüfung wie unter A: Wenn ich - als Beispiel - meinen Springer von c3 nach d5 gezogen haben werde, was kann das Gegenüber jetzt Schlimmes erwidern? Erst wenn die Prüfung ergibt, daß die Vorteile des gewählten Zuges die Nachteile aller möglichen Antworten überwiegen, dann - erst dann! - sollte man den eigenen Zug ausführen.


Hier noch einmal die Check-Liste:
Der Gegner hat gezogen

  1. Drohungen prüfen
  2. Eigenen Plan entwickeln, überprüfen, ändern
  3. Besten eigenen Zug auswählen
  4. Im GEISTE eigenen Zug ausführen und die dann möglichen Gegnerdrohungen prüfen
  5. Eigenen Zug ausführen.

Wem das noch zu lang ist, der befolge wenigstens die (Ultra-)Kurzversion nach jedem Zug des Gegners, die aus den beiden Fragen an sich selbst besteht:

  1. Kann ich jetzt etwas schlagen?
  2. Kann mein Gegner mir etwas schlagen (falls ich als nächsten Zug einen nichts verändernden Wartezug machen würde)?

Damit hat man schon mal die allergröbsten Fehlerquellen umschifft.

Zu Punkt 1 der ausführlicheren Checkliste (Drohungen des Gegners) noch einige Details, nämlich zu den
Drohungen, die gerne übersehen werden (Wer kann, möge sich die folgenden Beispiele im Geiste vor Augen führen, den Ungeübteren wird empfohlen, Brett und Figuren zu Hilfe zu nehmen.):

Springerzüge: Hier weiß sicher jeder aufgrund leidvoller Erfahrung, was gemeint ist, die zu Recht gefürchtete Springergabel. Diese kommt oft erst nach einer taktischen Kombination zum Tragen, dem Abtausch eines Verteidigers und/oder der Ablenkung einer eigenen Figur. Die gängigen Taktik-Bausteine sollten den Lesern und Leserinnen geläufig sein. Es sind dies Fesselung, Spieß, Doppelangriff, Abzug, Hinlenkung, Ablenkung, Verfolgung und Zerstörung und einige mehr. Zur Auffrischung der Kenntnisse empfiehlt sich zum Beispiel der Besuch unserer alten Vereinsseite ("FS-Aktuelles", Navigation/Training/Taktikaufgaben) oder das Nachlesen in Taktiklehrbüchern. Diese taktischen Möglichkeiten sollte man bei der Prüfung der gegnerischen Drohungen möglichst immer berücksichtigen.
Rücken gar zwei Springer auf die eigene Stellung vor, ist allergrößte Vorsicht geboten. Wenn es ohne Nachteile möglich ist, sollte man am besten einen der beiden abtauschen, sonst läuft man Gefahr schwindelig gespielt zu werden!

Auch bei möglich gewordenen Damenzügen des Gegners ist oft die „Alarmstufe Rot“ angesagt, weil die Dame in alle Richtungen wirkt. Allein schon ein harmloser Zug von Schwarz wie c7-c6 ermöglicht Damenzüge mit eventuell verheerenden Wirkungen: Mit Dd8-a5 kann ein Schach mit einem gleichzeitigen Angriff auf der fünften Reihe verbunden sein, gerne auch auf einen ungedeckten Läufer auf g5. Nach Dd8-b6 wirkt die Dame gleichzeitig nach b2 und d4 oder auch f2. Am häufigsten übersehen wird wohl der diagonale Rückzug der gegnerischen Dame: Hat man selber Schwarz und zielt ein weißer Springer von g5 aus auf den Rochadebauern h7, so kann ein überraschender Rückzug der weißen Dame von zum Beispiel e6 nach h3 manchmal zum unparierbaren Mattangriff werden.

Was Bauernzüge betrifft, wird oft vergessen, dass ein gegnerischer Bauer, der 28, 30 oder 40 Züge brav zum Beispiel auf f7 ausgeharrt hat, „plötzlich mit einem weiten Satz zwei Felder nach vorne preschen“ (wie Helmut Pfleger sich auszudrücken beliebte) und mit diesem unerwarteten Schritt großes Unheil im eigenen Lager anrichten kann.

Königszüge werden besonders in den Fällen unterschätzt, in denen der kurzschrittige Monarch – nach umfangreichen Figurenabtäuschen etwa – mühelos einem in einer Ecke oder am Rand eingesperrten Springer in wenigen Zügen den Garaus machen kann.

Turmzüge sorgen für Überraschung, wenn sie - mit Weiß - von d1 vertikal etwa nach d5 vorrücken und dort horizontal in beide Richtungen auf der fünften Reihe ungedeckte Bauern oder Figuren bedrohen.

Läuferzüge: Hier wird gerne beim Fianchetto-Läufer (b2 oder g2) der gelegentliche Ausfall nach a3 oder h3 übersehen, mit oft unangenehmen Attacken auf gegnerische Türme auf der Grundreihe.

Rochade: Der Gegner hat gerade rochiert, man ist vielleicht friedlich gestimmt, auf Harmonie aus, auf ein Remis womöglich – und tut es dem Gegner nach, rochiert ebenfalls, auf dem gleichen Flügel. Erst mal den König in Sicherheit bringen, was soll schon passieren ...
Aber wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe: Der Gegner, hier Weiß, hat mit seiner kurzen Rochade gleichzeitig seinen vom schwarzen Läufer auf b4 gefesselten Springer auf c3 entfesselt – und dieser verspeist nun, nach der Rochade von Schwarz, einen ungedeckten schwarzen Bauern auf e4. Ein Evergreen - oder um im Verkäuferjargon zu sprechen: "Wird immer wieder gerne genommen!“

Ein letzter Tip:
Hält man die Anwendung der oben genannten Check-Liste für hilfreich, so läßt sich diese am besten im Spiel mit einem Computer, in Ruhe und ohne Zeitdruck, einüben.
Erst dann, wenn man das Prüfungsschema einigermaßen verinnerlicht hat, hält es auch den Unwägbarkeiten einer Turnierpartie wie Zeitdruck und Aufregung bei schlechterer Stellung stand.


Teil 2: Blundervermeidung „deluxe“
Oder: Blundervermeidung für Fortgeschrittene

In diesem zweiten Teil werden wir an konkreten Beispielen sehen: Nicht nur am Zielort eines Steines spielt nach einem Zug die Musik, sondern auch am Ausgangsort. Beim Zug Läufer c1 nach g5 nicht nur in der „Gegend“ von f6 usw., sondern auch auf b2. Ein vorher gedecktes Feld ist plötzlich ungedeckt, eine Reihe, Linie oder Diagonale nach dem eigenen Zug nicht mehr in der eigenen Hand, sondern unkontrolliert oder schon in der Hand des Gegners – mit oft fatalen Folgen.
Anfällig wird man als Schachspieler für solche Einseitigkeit in der Betrachtung durch evolutionäre Prägung: Wenn sich zwei Steinzeitkrieger mit jeweils einer Keule in der Hand gegenüberstanden, so war es wichtig, die Schlaghand des Gegners im Auge zu behalten, das heißt, schnell auf eine plötzliche Bewegung des Gegners, auf das Ausholen zum Schlag, zu reagieren, um diesen Angriff parieren zu können. Boxer, die beide Hände benutzen können, machen sich dies zunutze, indem sie oft einen Schlag nur vortäuschen um dann mit der anderen Hand zuzuschlagen. Wie auch immer: Der Mensch ist darauf programmiert, vor allem auf schnelle und heftige Bewegungen mit sofortiger Abwehr zu reagieren und eher unspektakuläre Veränderungen, die gleichzeitig damit verbunden sein können, allenfalls nachlässig zu kontern. Der Steinzeitkrieger – um einmal ein kühnes, zeitalterübergreifendes Bild zu gebrauchen – achtet auf die plötzlich ausholende rechte Schlaghand und übersieht dabei, dass der Gegner mit der linken Hand, verdeckt unter dem Bärenfellumhang, langsam den Stift einer Handgranate herauszieht! Manch einer mag hier lächeln, doch dies ist bekanntlich die Methode, wie auch Zauberkünstler arbeiten, eben mit Ablenkung der Aufmerksamkeit des Gegenübers.
Auf das Schach bezogen heißt dies: Dieser Mechanismus funktioniert in beide Richtungen. Dem weißen Angreifer, der mit Läufer c1 nach g5 die schwarze Dame attackiert oder einen Springer auf f6 fesselt, entgeht vielleicht die neu geschaffene Schwäche auf b2 (manchmal eine Scheinschwäche, wenn der Bauer vergiftet ist, auch daran immer denken!). Dem weißen Verteidiger kann die „schnelle und heftige“ Bewegung eines schwarzen Läufers zum Verhängnis werden, der von e7 nach b4 zieht.

Denn stellen wir uns folgende Konstellation vor oder stellen sie auf dem Brett auf (mein Hinweis siehe oben!): In der frühen Eröffnungsphase hat Schwarz einen Bauern auf e6, dahinter einen Läufer auf e7 (der typische f6-Springer wurde vielleicht schon im Zentrum getauscht), die weiße Stellung ist hier egal. Entscheidend ist: Macht der Läufer nun den Zug von e7 nach b4, in der Regel entweder mit Schach oder Fesselung eines Springers auf c3, so richtet sich die Hauptaufmerksamkeit des Weißen auf diesen Bereich des Brettes um b4 herum, den linken unteren Quadranten eben, und dies aufgrund der geschilderten evolutionären Prägung. Übersehen wird oft die parallel dazu erfolgende Veränderung, die im Problemschach unter dem Begriff der „Bahnung“ bekannt ist. Eine Figur mit geringerer Durchschlagskraft (hier der Läufer auf e7) zieht voraus – und ebnet damit der hinter ihm stehenden Figur mit größerer Durchschlagskraft den Weg, hier der im Hintergrund „lauernden“ Dame auf d8! Das Gemeine darin ist in unserem Fall, daß beide – Läufer und Dame – auch noch unterschiedliche Ziel- und Bewegungsrichtungen hatten und haben. Der Läufer Richtung Damenflügel, für die Dame auf d8 wird durch den Abzug des Läufers nun der Weg frei zum Königsflügel – je nach der aktuellen Stellung von Weiß kann die Dame im nächsten Zug nach f6, g5 oder auch h4 ziehen, verbunden mit den unterschiedlichsten Wirkmöglichkeiten (auf h2, f2, b2 und möglicherweise auch Doppelangriffen).
Doch solche (mehrzügigen) Drohungen zu sehen, heißt sicherlich, schon mehr als einen bloßen „Blunder" zu vermeiden, deshalb wurde dieser 2. Teil ja auch mit „Blunder deluxe“ übertitelt. Spieler mit noch eher geringerer Spielstärke sollten sich nicht grämen, wenn sie solche mehrzügigen Drohungen noch nicht wahrnehmen können, sondern sich erst einmal anhand des obigen Prüfschemas auf das Vermeiden von einzügigen Figuren- oder Bauern-Einstellern konzentrieren.

Ich komme zum Ende dieses Textes noch zu einer Erscheinung, die man „schleichenden Blunder“, „Blunder in slow motion“ oder mehrzügigen Blunder nennen könnte. Den meisten Leserinnen und Lesern wird das Prinzip geläufig sein, im eigenen Lager durch Kontakt zwischen Figuren und/oder Bauern untereinander den eigenen Steinen gegenseitig Schutz zu gewähren, z.B. bei zwei Springern, die auf d7 und f6 stehen und sich gegenseitig decken.

Man stelle sich nun einen schwarzen Läufer auf d7 vor (oder stelle ihn auf dem leeren Brett dorthin), der vertikal auf der d-Linie durch einen schwarzen Bauern auf d6 gegen Angriffe gegnerischer Schwerfiguren geschützt ist – und dazu noch dreifach gedeckt, durch den König e8, die Dame d8 und einen Springer auf f6. Was soll diesem Läufer schon Schlimmes passieren? Wenn Schwarz aber nun kurz darauf – so geschehen in einer Kreisliga-Partie (FS98_2015-16.pgn, Partie Nr.169, nach 7. ... Lc8-d7) – nacheinander zwei „Angriffszüge“ macht, nämlich die Dame nach b6 zieht und den Springer nach g4, hängt die Deckung des d7-Läufers nur noch am Ke8. ABC Diagramm1Dieser rochiert kurz, der Bauer auf d6 wird mit c4-c5 ausgehebelt und Schwarz verliert wenige Züge später zwangsläufig einen partieentscheidenden Bauern (bitte die Partie nachspielen, am besten am PC mit Kiebitzfunktion, um das Prinzip zu begreifen, es lohnt sich). Hier lag die Ursache des Materialverlustes weniger an einem einzigen Zug (der schwarzen Rochade), sondern eher daran, daß Schwarz das Risiko des fortlaufenden Kontaktabreißens zum d7-Läufer nicht realisiert hatte und folglich die Brisanz des eigentlich harmlos anmutenden eigenen Rochadezuges nicht begreifen konnte. Es ähnelt dem Prinzip der doppelten Buchführung in der Wirtschaft, wo jeder Firmen-Geschäftsvorgang zweifach als Soll und Haben, unter Aktiva und Passiva, verbucht wird. Schwarz hatte nur die Wirkung seiner Angriffszüge im Sinn (Druck auf den gegnerischen Bauern auf f2) und ließ dabei außer Acht, was er damit an Defiziten im eigenen Lager schuf.

Es dürfte interessant sein, etwa von unseren Spielern der ersten Mannschaft zu erfahren, mit welchen Methoden sie jeweils das Erkennen und Beachten solcher entstehenden Defizite in ihren eigenen Partien zu gewährleisten suchen (wenn sie ihre Methoden denn verraten wollen). Allerdings ist man auch auf diesem Spielniveau nicht immer vor solchen Fehleinschätzungen gefeit, wie das folgende Beispiel aus der Verbandsliga (FS98_2015–16.pgn, Partie Nr.11) zeigt: 

ABC Diagramm2Schwarz zog im 12. Zug seine Dame von d8 nach c8. Er deckte damit seinen Läufer auf b7, ließ aber gleichzeitig den Kontakt der Dame zum Läufer auf – diesmal – e7 abreißen. Mit einer ähnlichen kleinen Kombination wie im vorangegangenen Beispiel (Läufer e4 schlägt auf b7, dann Bauernhebel d4-d5) hätte Weiß einen vielleicht schon partieentscheidenden Bauerngewinn erzielen können, wie die Kiebitzfunktion eurer Schach-PC-Programme deutlich machen wird. Doch auch der Gegner hatte diese Möglichkeit übersehen, hatte vielleicht in diesem frühen Partiestadium nicht mit solch einer Gelegenheit gerechnet und war mehr darauf aus gewesen, dem Kontrahenten „einen Isolani zu verpassen“, so daß die Partie eine andere Wendung nahm und später Remis ausging.

Noch einmal anders formuliert: Hat der Gegner gezogen, so wäre die erkenntnistheoretisch beste Frage: Hat sich dadurch die Wirkungsmöglichkeit eines oder mehrerer Steine auf dem Brett geändert,  wenn ja in welcher Weise und wie ändert sich dadurch auch der Gesamtzusammenhang der Stellung? Diese sehr abstrakte Frage herunterzubrechen in konkrete Fragen eines Prüfungsschemas war Ziel dieses sich nun dem Ende zuneigenden Textes.

 

Nach all diesen (ober)lehrerhaften Ausführungen müßte der 2. Spielleiter eigentlich mit Schrecken seinem - unweigerlich irgendwann kommenden – nächsten eigenen Blunder entgegensehen, der ihm dann mit Sicherheit von dem Einen oder Anderen von Euch mit hämischen Grinsen unter die Nase gerieben werden wird. „Hältst wohl nicht viel von deiner eigenen famosen Checkliste, was?“ könnte die Frage dann lauten, wobei – als letzte Rettung – nur die Antwort bleibt: “Die hab ich doch auch deshalb geschrieben, damit ihr was zu lachen habt ... wenn ich mal wieder blundere!“

 


In diesem Sinne!
Udo R.