Da ist es wieder: das Abstiegsgespenst

Mit einer 3:5-Niederlage im Gepäck kehrte unsere Erste am Sonntag vom Außendienst in Waltrop zurück. Der Termin war schon vor Saisonstart um eine Woche vorverlegt worden, um eventuell nötige Ersatzgestellung durch die Zweite, die am 18. März ihren nächsten Kampf hat, zu erleichtern. Doch solcherlei Maßnahmen waren gar nicht nötig, und Mannschaftsführer Bernd Brendemühl konnte einmal mehr aus dem Vollen schöpfen. Allerdings boten auch die Waltroper ihre beste Acht auf, und bald zeigte sich, dass dies ein harter Kampf für uns werden würde.
Am siebten Brett spielend kam ich selbst ganz passabel durch eine seltenere Variante in der Englischen Eröffnung und setzte einige Hoffnung in meinen fianchettierten Königsläufer und die offene c-Linie. Am Nachbarbrett geriet Udo Jost allerdings in Entwicklungsrückstand und in zunehmende Bedrängnis, Christoph Lauches Stellung sah mit weit offenem Damenflügel etwas verdächtig aus, während umgekehrt Lukasz Potyrala darum bemüht war, das Spiel möglichst geschlossen zu halten, was ihm bald schon ein erstes Remisangebot einbrachte. Jörg Grube war gezwungen, viel Bedenkzeit in die Behandlung eines wirklich sehr offenen Spaniers zu investieren - zuviel, wie sich später noch herausstellen sollte. Auch in der Partie von Bernd Brendemühl kam die Spanische Eröffnung aufs Brett, mit der Bernd jedoch glänzend zurecht kam und deshalb auch bald drei Minuten mehr auf der Uhr hatte, als zu Beginn der Partie. An den beiden obersten Brettern mussten sich Oleg Reichmann und Igor Khess jeweils mit Gegnern jenseits der 2000 auseinandersetzen. Der dortige Partieverlauf entzog sich weitgehend meinen Blicken, Olegs Remis in leicht schlechterer Stellung mag vielleicht ein wenig der Waltroper Führung im Mannschaftskampf geschuldet gewesen sein. Udo hatte nämlich den ersten direkten Angriff auf seinen König noch abwehren können, sah sich aber bald von gegnerischen Figuren förmlich eingekesselt und musste kapitulieren. Auch um Christophs Königssicherheit war es nicht zum Besten bestellt, doch erst ein Versehen ebnete dem gegnerischen Springer entscheidend den Weg zu furchtbaren Schach- und Abzugsdrohungen nebst Materialgewinn - Punkt für Waltrop. Jörgs Bedenkzeitverbrauch rächte sich mit einem Fehlgriff in unübersichtlicher Stellung, was noch vor der Zeitkontrolle zu gegnerischer Turmverdoppelung auf der siebten Reihe nebst undeckbarer Mattdrohung führte. Lukasz war derweil am eigenen Damenflügel etwas vorangekommen, ohne dort jedoch zwingende Möglichkeiten erhalten zu haben und bot nun seinerseits das Remis an, was auch klaglos angenommen wurde. Ein ebensolches Angebot wurde Bernd in seinem Leichtfigurenendspiel unterbreitet, doch mit einem bereits vorgerückten Freibauern wollte Bernd noch ein bisschen weiterspielen, und prompt griff sein Gegner wenige Züge später fehl und der Bauer war nicht mehr aufzuhalten. Mir selbst glückte auch mal wieder ein Partiegewinn, fragwürdige Entscheidungen meinerseits wurden durch gegnerische Zeitnot kompensiert, und wir konnten den Anschlusspunkt zum 3:4 einheimsen. Die Bürde der kampfentscheidenden Partie lag nun auf Igors Schultern, aber im entstandenen Turmendspiel konnte Igor schließlich den Turmtausch und damit den Übergang in ein für ihn verlorenes Bauernendspiel nicht mehr vermeiden und gab auf.
Obwohl wir mit den bisher erreichten acht Mannschaftspunkten momentan immer noch einen Platz im Mittelfeld belegen, wird unser letztes Saisonspiel am 29. April wohl zu einem echten Kampf gegen den Abstieg werden ...

 

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